Eine römische Ziegelei
zwischen Mamer und Capellen
Notgrabung
im Parc d'activités "Hiereboesch"
2002-2003 und 2008
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Gesamtplan der Anlage |
Zeichnung von Ofen 1 |
Ofen und Bedienungsgrube |
Rekonstruktionszeichnung der Anlage |
1. Ziegelbrennofen 1
2. Ziegelbrennofen 2
3. Portikusvilla
4. Pfostenbau (Produktions- und Lagerhalle)
5. Pfostenbau (Produktions- und Lagerhalle)
6. Ablagerunsgrube für Fehlbrände und Ofenabrissmaterial
7. Hauptentwässerungskanal |
Ein hervorragend
konservierter Ziegelbrennofen aus dem 4. Jh. n. Chr.
Bereits nach wenigen
Grabungstagen liegen die Umrisse eines großen Ziegelbrennofens frei. Der Ofen
ist südöstlich vom Wohngebäude in einem leicht nach Süden abfallenden Gelände
errichtet worden. Die Befeuerungsöffnung zeigte ebenfalls nach Süden. So
konnten, die in unserer Gegend vorherrschenden Westwinde nicht direkt in den
Feuerkanal hinein blasen. Eine allzu plötzliche reiche Sauerstoffzufuhr hätte
den Brennvorgang beschleunigt und das gesamte Brenngut zerstören können.
Als erstes
erkennt man die Mauerüberreste des quadratischen Abdeckgewölbes des Ofens. Es
misst 4,60 x 4,60 Meter. Die Außenwand des quadratischen Grundrisses ist
abwechselnd mit Sandsteinen und Dachziegeln gemauert. Die Breite dieser Mauer
beträgt im Schnitt 40 Zentimeter. Die Nordseite weist eine zugemauerte Öffnung
auf; von hier aus wurde der Ofen geladen.
Eine zweite Wand
befindet sich im Innern dieses Quadrates. Sie ist im Schnitt 20 Zentimeter breit
und besteht aus luftgetrockneten Lehmziegeln, welche allem Anschein nach erst im
Mauerverband sekundär gebrannt wurden. Die äußeren Ecken der Ziegelwand sind
abgerundet.
Zwischen der Gewölbemauer und dieser Ziegelwand befindet sich eine Lehmfüllung
die als Isolation diente. An verschiedenen Stellen hat sich dieser Lehm infolge
starker Hitzeeinwirkung rötlich verfärbt. Der Erhaltungszustand der Ziegelwand
ist zum Teil sehr schlecht, da diese immer wieder einer sehr hohen Temperatur
ausgesetzt war.
Der Laderaum des Ofens
wird begrenzt durch diese Ziegelwand und hat eine Fläche von 9,6 Quadratmetern.
Die Oberfläche des Rostes besteht aus gestampftem Lehm und zeigt zahlreiche
Ausbesserungen auf. So sind mindestens vier Beschichtungen erkennbar. Während
diesen Reparaturen wurden ehemalige Zuglöcher verschlossen und neue nur wenige
Zentimeter daneben gestochen. Ein interessantes Detail sind die auf der
Brennplatte sichtbaren Abdrücke der genagelten Römerschuhe.
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Abdrücke von genagelten Römerschuhen
auf dem Rost und Pfotenabdrücke auf Ziegeln. |
Dem Ofen südlich
vorgelagert befindet sich die Bedienungsgrube, in den anstehenden Lehmboden
eingebettet. Mit einer Seitenlänge von 5,50 m und einer Breite von 6,50 m
erscheint sie relativ großräumig. Zur Nordseite befindet sich eine zugemauerte
Öffnung, durch die der Ofen gefüllt und nach dem Brennvorgang wieder entleert
wurde.
In der Bedienungsgrube konnte ein komplettes Entwässerungssystem nachgewiesen
werden. Ein Hauptkanal führt unter dem Schürkanal durch die Bedienungsgrube nach
außen. Zwei seitliche Kanäle, welche im Hauptkanal münden, sorgen für die
Entwässerung der Bedienungsgrube. Der Hauptkanal und der östlich in der
Bedienungsgrube gelegene EntwässerungskanaI bestanden aus hochkantstehenden
Sandsteinen und flachen Abdeckplatten. Der Kanal im westlichen Bereich bestand
aus hochkant, quergegeneinandergestellten Sandsteinen.
Eine Überdachung der Bedienungsgrube ist
belegt durch mehrere Pfostengruben im inneren Bereich, beziehungsweise durch
zwei Steinquader mit Pfostenloch. Im südlichen Bereich steigt der Boden des
Befundes an und läuft im Außenbereich eben aus.

Einer der beiden Steinquadern mit Pfostenloch
Die Befeuerungsstelle
befindet sich zwischen dem Schürkanal und der Bedienungsgrube. Sie ist knapp
vier Meter lang und 70 cm breit. Die jeweils 60 cm dicken Wände des
Befeuerungskanals bestehen zum Teil aus Tegulae.
Der Befeuerungsraum war tief in den anstehenden Lehm
eingebettet worden und musste ebenfalls vom aufsteigenden Grundwasser geschützt
werden. Hierzu legte man weitere Drainagegräben an.
Die seitlichen Wände
(östlich und westlich) der Bedienungsgrube waren doppelwandig mit Ziegeln
gemauert und mit Holzbrettern ausgekleidet.
Diese Bretter konnten in verkohltem Zustand nachgewiesen werden, was auf eine
Zerstörung der Bedienungsgrube durch eine Feuersbrunst hindeutet. Um dem Druck
des anstehenden Lehms standzuhalten, waren die Holzwände durch Ziegelwände
verstärkt worden. Nach der Zerstörung der Holzwände hielten diese dem Druck des
anstehenden Lehms nicht mehr Stand und kippten in den Innenbereich des
Befeuerungsraumes.

Verkohlte Überreste der Holzwand im
Befeuerungsraum
Die Brennkammern
bestehen aus einem Mittelkanal und Seitenkanälen. Der Mittel- oder Hauptkanal
hat eine Höhe von 75 cm und eine Breite von 75 cm.
Das Feuer brannte nicht unter
dem Ofen selbst, sondern in der mit Ziegeln gemauerten Verlängerung des
Hauptkanals. War das Holz zu Glut geworden, konnte diese in den Hauptkanal
eingeschoben werden und neues Holz wurde auf der vorgelagerten Feuerungsstelle
aufgelegt.
Eine knapp zehn Zentimeter mächtige Asche- und Holzkohleschicht zeugt
im Feuerungskanal vom letzten Gebrauch des Ofens vor seiner endgültigen
Zerstörung.
Der Befeuerungsraum
war groß genug um einen kleinen Vorrat an Brennholz zu lagern. Möglicherweise
gab es sogar Wohnraum mit Schlafecke für den Brennmeister, um während der
Befeuerung des Ofens einen reibungslosen Ablauf des Backvorgangs rund um die Uhr
zu gewährleisten.
Die Lochtenne (Brennraum) misst rund 9 Quadratmeter (ca. 3 x 3 m).
Durch 61 etwa 5 cm große, runde Löcher, 6 Reihen zu 9 und eine zu 7 Löchern,
strömt die Hitze durch die Sohle von den Brennkammern in den Backraum.
Rechtwinklig zum
Mittelkanal tragen 6 Mauern die Tenne. Sie haben eine Stärke von 28 bis 30 cm
und haben einen Abstand von 20 cm, der so die Seitenkanäle bildet.
Über dem Mittelkanal,
der 40 cm tiefer in die Erde ragt, formen die Tragmauern einen Bogen. In diesen
Gewölben sind die Ziegel nicht konzentrisch angeordnet, so dass sie unter der
schweren Last m nordwestlichen Bereich eingesackt sind. Möglicherweise kam es an dieser Stelle zu einem Hitzestau im Unterbau, welcher
die Ladefläche in sich zusammenfallen ließ. Diese Tatsache ermöglichte die
Untersuchung des Unterbaus ohne Teile des Ofens zu zerstören.
Mittel- und
Nebenkanäle sind mit 3-4 cm dicken Ziegeln gemauert. Als Mörtel hat man Lehm
verwendet, der beim Brennvorgang ausgehärtet ist. Die Seitenkanäle sind mit
mehreren Schichten Ziegeln abgedeckt. Ihre Bodenflächen sind stark ansteigend
und sind ebenfalls mit Ziegeln belegt.
Die zu brennenden Lehmprodukte wurden auf dieser Ladefläche, dem Rost, gestapelt. Die
benötigte Hitze lieferte die Glut aus dem Unterbau. Durch regelmäßig verteilte,
kreisförmige Öffnungen auf der Ladefläche konnte sich die Heißluft aus den
Heizkanälen des Unterbaus gleichmäßig im gesamten Laderaum verteilen. Diese
Öffnungen haben einen Durchmesser von drei bis fünf Zentimetern.
Die Erbauer des Ofens
haben die Brennkammern in die lehmige Erde hinein gebaut, um eine möglichst hohe
thermische Isolation zu erreichen. Die Basis liegt in etwa 1,40 m unter der
Bodenberfläche. Die Kammern sind gefüllt mit Ziegelfragmenten vom Gewölbe und
eingeschwemmtem Lehm. Nur so ist es möglich, dass die Brennkammern mit der Tenne
in einem äußerst gut erhaltenen Zustand vorgefunden wurden.
Der mittlere Schürkanal und die jeweils etwas höher angesetzten, steil
ansteigenden Seitenkanäle sind sehr sorgfältig mit Ziegeln gemauert. Die
Mauerteile, welche der größten Hitze ausgesetzt waren, weisen eine
verglasungsähnliche Beschichtung auf. Während die Seitenkanäle mit breiten
Ziegeln abgedeckt sind, wird die Decke des Hauptkanals durch ein Gewölbe
getragen. Dieses Gewölbe sollte dem Gewicht der Brennladung besser Stand halten.
Die Zuglöcher enden jeweils in einem der Seitenkanäle, beziehungsweise die
mittlere Zuglöcherreihe direkt im Schürkanal. Eine 5-10 cm starke
Holzkohleschicht, darüber eine etwa 20 cm starke Schicht aus Ziegelfragmenten
vom herab bröckelnden Gewölbe konnte im Schürkanal nachgewiesen
werden. Sämtliche Kanäle der Brennkammern
waren bis oben hin mit einfiltriertem Lehm aufgefüllt.
Man kann davon
ausgehen, dass ein Brennvorgang fast einen Monat andauerte. Nach dem
"Beladen" der Brennkammer mit vorgetrockneten Lehmziegeln musste das Gewölbe
wieder sorgfältig verschlossen werden. Anschließend begann die Befeuerung. In
einer ersten Phase durfte die Temperatur in der Brennkammer nur langsam auf
lediglich 350 bis 400° C gebracht werden. Bei dieser Temperatur wurde den
Lehmziegeln jeglicher Rest von Feuchtigkeit entzogen. Erst danach durfte die
Temperatur auf 900 bis 980°C gesteigert werden. Ein verfrühtes, zu schnelles
Aufheizen der Ofenladung hätte zu zahlreichen Fehlbränden geführt, ja sogar die
gesamte Ladung unbrauchbar gemacht. Von missglückten Brennvorgängen zeugen die
zahlreichen herumliegenden Fehlbrände.
Die Höhe des
Brennraumes kann nicht mehr festgestellt werden. Um das Fassungsvermögen zu
errechnen, geben Fachleute an Hand der Grundfläche des Backraumes, eine Ladung
von etwa 2500 Dachziegeln (Tegulae) an. Mit dieser Produktion kann eine
Dachfläche von annähernd 550 qm eingedeckt werden.

Die Tegula ist ein
rechteckiger, flacher Ziegel mit hochgezogenen Leisten an den beiden
Längsseiten. Auf dem Dach stoßen die seitlichen Leisten zweier nebeneinander
liegender Tegulae aneinander. Zur Abdichtung wird eine halbröhrenförmige
Imbrex über die Stoßfuge gelegt.
(Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Tegula_und_Imbrex, Foto: Fernando Delgado Béjar)
Als Heizmaterial wurde Holz aus den nahe gelegenen Wäldern herangeschafft. Etwa
20 Korden trockenes Brennholz waren nötig um eine Ofenladung Lehmziegel von
guter Qualität herzustellen.
1 Korde
(2m x 1m x1m)
= 1,5 Festmeter (m3) nicht eingeschnittenes oder gespaltetes
Holz;
= 2 Raummeter (Ster) geschnittenes, gespaltetes und
aufgeschichtetes Holz.
Gewicht einer Korde von waldfrischem Buchenholz: ± 1.500 kg.
(Quelle:
Centre Forestier du Senningerberg).
Geht man davon aus, dass der Ofen 12 Mal im
Jahr benutzt wurde und ganz sicher mehrere Öfen zu dieser Anlage gehörten, so
kommt man schnell auf mehrere hundert Korden Holz, welche für ein Betriebsjahr
benötigt wurden. Um diese Mengen Brennholz heranzuschaffen bedurfte es vieler
Hilfskräfte.
Nachdem der Brennvorgang abgeschlossen war, musste der Ofen während Tagen
langsam abkühlen, bevor er geöffnet werden konnte, um die Ladung zu entnehmen.
Anschließend wurde der Ofen auf eventuell notwendige Reparaturen untersucht. Erst
danach konnte er wieder neu beladen werden.
Alle Fotos und Zeichnungen, wenn nicht anders angegeben:
©
"D'Georges
Kayser Altertumsfuerscher"
(GKA)
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