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Eine römische Ziegelei zwischen Mamer und Capellen
Notgrabung im Parc d'activités "Hiereboesch" 2002-2003 und 2008

 

Ein Ziegelbrennofen zieht um ...

Bereits früh reifte bei den "D'Georges Kayser Altertumsfuerscher" die Idee, den gallo-römischen Ziegelbrennofen von Cap-"Hiereboesch" zu heben und an einem anderen Ort aufzustellen um ihn der Nachwelt zu erhalten. Doch wegen der Ausmaße des Fundes wurde  rasch klar, dass das Vorhaben aus finanziellen Gründen nicht zu verwirklichen war.


Staatsminister Jean-Claude Juncker und seine Gattin
und Bürgermeister Gilles Rath aus Mamer besuchen die Ausgrabungen in Capellen.

Der Besuch von Staatsminister Jean-Claude Juncker und seiner Gemahlin am 14. September 2002 bringt eine Wende in dieser Angelegenheit. Auf die Frage von Madame Juncker, was mit dem Fund geschehen soll, lautet die Antwort: "Aus finanziellen Gründen können wir die ursprünglich ins Auge gefasste Bergung nicht verwirklichen. In wenigen Monaten wird die archäologische Seltenheit dem Bagger zum Opfer fallen." Der Staatsminister und der ebenfalls anwesende Bürgermeister Gilles Roth aus Mamer beschließen das Vorhaben zu finanzieren. Beim Besuch des großherzoglichen Paares zwei Wochen später, wird dieser Entschluss von den königlichen Hoheiten als eine lobenswerte Initiative gewürdigt.


Der Besuch von Grossherzog Henri und Grossherzogin Maria-Theresa
 auf der Grabungsstätte am 28. September 2002.

Während den folgenden Monate gehen die Ausgrabungen, bei ungünstigsten Wetterbedingungen, an der Ziegelei weiter. Vor März muss der Ofen gehoben sein, da die Baggerarbeiten für Industriebauten dann beginnen. Wegen der Bedeutung des Fundes gewährt der Grundstückseigentümer freundlicherweise eine Verlängerung bis Anfang April.

Mittlerweile beschließt Herr Georges Calteux, damaliger Direktor des "Services des Sites et Monuments" dieses Projekt durch seine Behörde ausführen zu lassen. Ende Januar wird das Ingenieurbüro "Daedalus Engineering" mit der Projektleitung beauftragt. Berechnungen und Pläne werden erstellt um dieses einmalige Vorhaben fachgerecht ausführen zu können. Nach eingehender Analyse entscheidet man sich das Bodendenkmal "en bloc" in einem Betonkorb an seinen neuen Bestimmungsort, den Park der Villa Risch im Zentrum von Capellen, zu transportieren.

Im Laufe der folgenden Wochen werden eine Reihe spezialisierter Firmen auf dem Ausgrabungsgelände tätig. Jede Woche wird bei einer Lagebesprechung der Fortgang der Arbeiten besprochen und die sich aufdrängenden Maßnahmen werden eingeleitet. Derweil  schreiten die Konsolidierungsarbeiten am Ofen zügig voran, denn es gilt den 1700-jährigen Fund transportfähig zu machen.

Um beim Transport die Stabilität des antiken Fundes nicht zu gefährden, blieben die Brennkammern des Ofens mit Versturzmaterial und Lehm gefüllt und werden erst bei der definitiven Konsolidierung geleert.

Mitte Februar beginnt die Firma Soludec, welche mit den Erd- und Betonierungsarbeiten beauftragt ist, die Baustelle vorzubereiten, derweil die Firma Ferrac für den Eisenkäfig im Beton zuständig ist.

Zuerst werden seitlich zwei Betonflügel gegossen. Anschließend werden 18 Stahlrohre von einem Durchmesser von 25 cm von EFCO-Spezialisten unter dem Ofen durchgepresst und mit Stahlbeton verfüllt. Zuletzt werden die Stirnwände mit massiger Stahlarmierung in Beton gegossen. In diese Verfüllung sind überdimensionale Ösen, in den Werkstätten von Mecan-Arbed hergestellt, verankert. Anschließend wurde der 4,60 m mal 4,60 m große und fast 2 m hohe Ziegelbrennofen in einem stabilen Transportkorb aus Stahl und Beton eingefasst.


Ferrac Fachleute haben dem Ofen ein Korsett aus Stahl und Eisen angelegt.



EFCO Spezialisten Pressen 18 Stahlrohre unter den Ziegelbrennofen.
 


In einem Korb aus Beton wartet der Ofen auf seinen Abtransport.


Die eigens zur Bergung des Ofens hergestellten Ösen.
 

Unterdessen sind die Vorbereitungsarbeiten für den eigentlichen Transport angelaufen. A.T.S. Cranes S.A. ist auf dem Gebiet von Kranarbeiten und Schwertransporten spezialisiert. Mit den Behörden müssen die Transportroute und die für den vorgesehenen Transporttag gesperrten Strassen geklärt werden. Die Route führt von der Aktivitätszone Capellen-Mamer über die Kreuzung am  "Kraïzwée" in Richtung Capellen Arlonerstrasse zum Haus Risch gegenüber der Kirche.

Während der Zeit des Transports werden die benutzten Strassen für den Verkehr gesperrt. Die Arlonerstrasse wird ab der Bahnhofstrasse bis zur Einmündung des Kiem für einen halben Tag für sämtlichen Verkehr gesperrt werden müssen. Aus diesem Anlass wird der Samstag, der 5. April 2003 für die außergewöhnliche Umsiedlungsaktion festgelegt. Die nötigen Genehmigungen werden eingeholt beim Transportministerium, der Strassenbauverwaltung, der Gemeindeverwaltung von Mamer, dem Umweltministerium, der Forstverwaltung und den zuständigen Polizeidienststellen.

Den Ofen vom Untergrund zu lösen ist die Aufgabe einer Firma aus Holland. Drei Tage vor dem Abtransport tritt diese, auf solche Vorhaben spezialisierte Firma, in Capellen in Aktion. Mit Hydraulikhebern wird der tonnenschwere Betonstahlkorb mit seinem wertvollen Inhalt Millimeter um Millimeter vom Untergrund losgehoben. Dabei wird sein Verhalten genauestens beobachtet. Zum Glück bleibt die gesamte Einrichtung stabil. Dann wird mittels einer in den Hebern integrierten, elektronischen Messdose das Gewicht bestimmt. Es beträgt etwas mehr als 93 Tonnen, nur leicht höher als der im Voraus errechnete Wert.

Um am Samstag den Abtransport fristgerecht durchführen zu können wird das Verladen bereits freitags vorgenommen.

Ein aus Deutschland kommenden DEMAG Kran übernimmt das Verladen des Betonblocks. Der Kran ist für den Verkehr zugelassen und hat ein Eigengewicht von 108 Tonnen. Er verfügt über ein Fahrmotor von 570 PS und ein Kranmotor von 300 PS. Seine maximale Hubkraft beträgt 700 Tonnen. Weltweit existieren nur 23 Exemplare dieser Art. Die zwei Begleitsattelschlepper bergen die Gegengewichte und das Aufbaumaterial für den Kran. In Capellen werden 100 Tonnen Ausgleichgewichte montiert. Die gesamten Kranaufbauarbeiten dauern zwei Stunden.

Vier armdicke Stahlseile werden mittels zentnerschwerer Kuhmäulern (Schäkeln) an den Ösen des Ofenkorbes befestigt. Nahezu ohne Anstrengung hebt sich der 93 Tonnen schwere Ofen an den Kranseilen Zentimeter um Zentimeter aus seiner siebzehnhundertjährigen Grube. Henri Colbach von Daedalus Engineering und Projektleiter sowie Cary Arendt von ATS Cranes sind sichtlich erleichtert. dass keine Risse entstanden sind und der Korb nicht abgebröckelt ist. Die außergewöhnliche Konstruktion hat ihre Standfestigkeit bewiesen. Neben seinem ursprünglichen Standort wird der Ofen vorerst abgestellt.

Am Nachmittag trifft der zum Transport bestimmte Tieflader der Firma Max Goll aus Deutschland ein - eine vierachsige Zugmaschine und ein vierzigräderiger Anhänger. Für die eingespielte Begleitmannschaft ist es Routine das wertvolle Transportgut auf den Anhänger zu verladen und zu befestigen. Anschließend werden sämtliche Fahrzeuge für den folgenden Morgen startklar gemacht.

Am Samstag früh um sieben macht sich die außergewöhnliche Karawane auf die Reise. Eskortiert von einer motorisierten Polizeibrigade sowie der Polizeibrigade aus Capellen machen sich die zwei Sattelschlepper, der Siebenhunderttonnen-Kran und der Spezialtransporter, der mit seiner Last eine Breite von 5,4 Metern erreicht, auf den Weg in Richtung Dorfzentrum von Capellen. Mit einer maximalen Stundengeschwindigkeit von 25 km erreicht die tonnenschwere Fracht nach einer halbstündigen Fahrzeit und nach 3 Kilometer ihr Endziel.

---> vgl. Antiker Ofen reist in modernem Gewand, in: Kran- & Schwertransportmagazin KM 36/Juni 2004.

Wieder einmal wiederholt sich die zeitraubende Aufbauprozedur des Krans. Mittlerweile treffen die ersten Schaulustigen ein und ihre Schar vergrößert sich zusehends. Zu ihnen gesellen sich die lokalen Autoritäten, Herr Voncken vom nationalen Denkmalamt, Reporter, Photographen und Kamerateams. Mit der gleichen Präzision, wie beim Aufladen, wird der Stahlbetonkorb mit seiner Fracht vom Tieflader gehoben, über hohe Bäume gehievt und millimetergenau in der vorbereiteten Grube abgesetzt.

Im Frühjahr 2004 erhielt der Ofen eine feste Überdachung und wurde am 4. Juni durch die damalige Kulturministerin, Frau Erna Hennicot-Schoepges, fürs Publikum zugänglich gemacht. Doch die Brennkammern waren immer noch nicht freigelegt und die erhaltenen Strukturen nicht gefestigt.

Durch mehrmalige Interventionen der Gemeinde Mamer und der "D'Georges Kayser Altertumsfuerscher" begannen diese Arbeiten schließlich am 10. Oktober 2006 durch ein spezialisiertes Unternehmen. Die noch bestehenden Steinreihen des Mauerwerks des Backraumes wurden Stein für Stein abgetragen und wieder an ihrer Stelle eingemauert. Dann wurden die Kanäle der Brennkammern in einer mühseligen Kleinarbeit geleert.


Alle Fotos und Zeichnungen, wenn nicht anders angegeben:
©
"D'Georges Kayser Altertumsfuerscher" (GKA)

 
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